Grund­kompetenz­förderung in der Schweiz

Erwerb und Erhalt aus­reichen­der Grund­kompe­tenzen als lebens­lange Heraus­forde­rung

Wie repräsentative Erhebungen zeigen, verfügen in der Schweiz trotz regulärem Schulbesuch nicht alle Erwachsenen über ausreichende Grundkompetenzen im Bereich des Lesens und Schreibens, der Alltagsmathematik und der digitalen Grundkompetenzen. Gefährdeten Bevölkerungsgruppen fällt es in Abhängigkeit ihrer Lebenssituation zunehmend schwer, bestehende respektive bereits erlernte Grundkompetenzen zu erhalten bzw. laufend den Anforderungen anzupassen. Diese Entwicklung wird durch den gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt verschärft und zunehmend sichtbar, mit entsprechenden Folgen für die gesellschaftliche und berufliche Integration von betroffenen Menschen. Dies hat die Politik dazu veranlasst, sich eingehend mit diesem Thema zu befassen und Massnahmen zu ergreifen.

Das Weiterbildungs­gesetz als gesetz­licher Auftrag zur Grund­kompetenz­förderung

Die Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener war vor 2017 auf Bundesebene im Kulturförderungsgesetz geregelt, ein besonderes Augenmerk galt der Illettrismusbekämpfung. Das Gesetz gab dem Bund die Möglichkeit, Massnahmen zu treffen, die der Bekämpfung des Illettrismus und der Förderung des Lesens dienten.

2017 löste das Weiterbildungsgesetz (WeBiG) das Kulturförderungsgesetz auf nationaler Ebene ab. Das neue Gesetz richtet sich stärker auf die Grundkompetenzen aus und berücksichtigt zusätzlich Rechenkompetenzen und digitale Kompetenzen. Das Weiterbildungsgesetz will den Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen der gesamten Bevölkerung sicherstellen, damit Arbeitsmarktchancen gewahrt und alle von Weiterbildungsangeboten im Zusammenhang mit dem lebenslangen Lernen profitieren können. Das Gesetz hat zum Ziel, die Koordination der bestehenden Massnahmen zwischen Bund und Kantonen zu verbessern. Ausserdem räumt es dem Bund Möglichkeiten ein, Kantonen finanzielle Unterstützungsbeiträge für Massnahmen zum Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener auszurichten.

Grund­kompetenzen als Grund­lage für Weiter­bildung

Das Weiterbildungsgesetz zielt insbesondere darauf ab, den chancengleichen Zugang zur Weiterbildung zu fördern, Bildungshemmnisse aller Art abzubauen und die Integration aller Individuen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt sicherzustellen. Dazu sind gerade auch diejenigen Personen zu gewinnen und zu befähigen, die bisher keine Weiterbildungsangebote beanspruchen. Dies stützt auf Erhebungen (siehe z.B. Mikrozensus Aus- und Weiterbildung 2016 des Bundesamts für Statistik), die zeigen, dass die Teilnahme an Weiterbildung sehr ungleich verteilt ist und primär gut gebildete Bevölkerungsgruppen profitieren. Diese Disparität ist insbesondere auch durch ungleiche Teilnahmechancen, unter anderem bedingt durch fehlende Grundkompetenzen in den Bereichen Lesen und Schreiben, Rechnen und/oder Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) begründet.

Die Teilnahme an Weiterbildung ist essentiell, um mit dem Strukturwandel von Gesellschaft und Wirtschaft, der Transformation zu einer Wissensgesellschaft und den daraus entstehenden neuen Anforderungen schritthalten zu können. Verschiedene Faktoren, u.a. der technologische Fortschritt, sorgen für grosse Veränderungen in der Gesellschaft und der Berufswelt. Menschen müssen sich entsprechend nicht nur in den Arbeitsmarkt integrieren, sondern darin auch verbleiben können. Lebenslanges Lernen wird somit für viele zur Norm, da das Lernen nicht mehr wie bisher vor allem an einen bestimmten Lebensabschnitt – vorwiegend in der Jugend – gekoppelt ist. Stattdessen handelt es sich um einen stetigen Prozess in verschiedensten Kontexten und Formen.

Literaturhinweise:

Bundesamt für Statistik. 2017. Weiterbildung in der Schweiz 2016. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik.

European Association for the Education of the Adults. 2018. The life skills approach in Europe, abrufbar unter: PDF-Dokument.

Grotlüschen, Anke, und Wibke Riekmann (Hrsg.). 2012. Funktionaler Analphabetismus in Deutschland: Ergebnisse der ersten leo. - Level-One Studie. Münster New York München Berlin: Waxmann.

OECD. 2005. Definition und Auswahl von Schlüsselkompetenzen, abrufbar unter: PDF-Dokument

Rat der Europäischen Union. 2018. Empfehlung des Rates vom 22. Mai 2018 zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Rat der Europäischen Union.

Schweizerische Eidgenossenschaft. 2013. Botschaft zum Bundesgesetz über die Weiterbildung.

Schweizerische Eidgenossenschaft. 2016. Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG).

Schweizerische Eidgenossenschaft. 2018. Häufig gestellte Fragen zum Weiterbildungsgesetz (WeBiG).

Weitere verwendete Literatur

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