Ursachen

Ausgehend vom differenzierten Verständnis digitaler Kompetenzen können die Ursachen von Kompetenzlücken durch verschiedene Erklärungsansätze beschrieben werden.

Ein wichtiger Faktor ist sicherlich der im Bereich der digitalen Grundkompetenzen rasch voranschreitende Wandel. Was heute an Kompetenzen noch ausreicht, kann morgen bereits unzureichend sein, um die gestellten gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen bewältigen zu können. Entsprechend ist auch eine stetige Adaption der eigenen Fertigkeiten notwendig, um diesem Wandel folgen zu können. So betrifft der technologische Wandel zunehmend auch Personengruppen, die bis anhin den allgemein erwarteten Ansprüchen genügten und neuerdings mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Entsprechend ist es auch die Gesellschaft, die definiert, wer von Lücken im Bereich digitaler Grundkompetenzen betroffen ist.

Zusätzlich zu dieser gesellschaftlichen Ebene kommt dem individuellen Lebensumfeld eine grosse Bedeutung zu: So ist als wichtiger Faktor das Bildungsniveau zu nennen. Studien zeigen, dass das individuelle Bildungsniveau massgebend für die informationsbezogene Nutzung des Internets ist. Tiefer gebildete Nutzerinnen und Nutzer verbringen zwar tendenziell mehr Zeit im Internet, nutzen dieses als Ressource (etwa zu Bildungs- und Geschäftszwecken) aber weniger effizient. Stattdessen sind bei diesen Nutzergruppen alltägliche Aufgaben und/oder Unterhaltungszwecke zentral. Es ist daher davon auszugehen, dass die Internet-Nutzung traditionellen sozialen, ökonomischen und kulturellen Mustern folgt und von ähnlichen sozialen oder strukturellen Ungleichheiten geprägt ist, die sich auch in der ‘Offline’-Welt respektive im Alltag fernab digitaler Technologien zeigen. Hier wird auch der Bezug zu den anderen Grundkompetenzen ersichtlich, da Lücken bei den digitalen Grundkompetenzen auch mit anderen Schwierigkeiten bei den Grundkompetenzen, etwa einer Schwäche im Bereich des Lesens und Schreibens, einhergehen können. Weitere Faktoren können fehlendes Interesse, zu geringer wahrgenommener Nutzen oder fehlende finanzielle Mittel sein (wenn beispielsweise aus finanziellen Gründen die entsprechenden Geräte nicht vorhanden sind). Ausserdem ist der Einsatz digitaler Geräte für Menschen mit Beeinträchtigungen schwierig, da digitale Inhalte oft nicht an spezielle Bedürfnisse (Lesbarkeit, Komplexität der Inhalte, Navigationsfähigkeit) angepasst sind.

Entgegen weitverbreiteter Annahmen sind junge Menschen (in diesem Zusammenhang häufig als ‘Digital Natives’, ‘Generation Y’ oder ‘Generation Z’ bezeichnet) nicht grundsätzlich geübter im Umgang mit Informations- und Kommunikations-Ressourcen. Studien zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene im Vergleich zur restlichen Gesellschaft nicht über einen effizienteren Zugang zu neuen Technologien verfügen und ihre eigenen digitalen Fertigkeiten oftmals überschätzen. Die Häufigkeit der Nutzung digitaler Geräte und Anwendungen lässt somit keine grundsätzlichen Rückschlüsse auf tatsächlich vorhandene digitale Kompetenzen zu. Eine Studie des Bundesamts für Statistik hält hierzu fest:

Im Hinblick auf einen erfolgreichen Vollzug des digitalen Wandels könnte die Situation der jungen Generationen in Bezug auf die digitalen Kompetenzen Anlass zur Sorge geben.Bundesamt für Statistik 2018

Defizite im Bereich digitaler Grundkompetenzen betreffen folglich nicht nur ältere Menschen in der Schweiz. Sie sind ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und werden eher durch bestehende soziale Ungleichheiten verstärkt. Folglich ist ein differenzierter Ansatz bei der Betrachtung der Ursachen der digitalen Ungleichheit gefragt, der berücksichtigt, dass der sozioökonomische Status von Menschen deren Zugang und die Nutzung von digitalen Geräten und Inhalten massgeblich beeinflusst.

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Literaturhinweise:

Bundesamt für Kommunikation. 2018. Strategie Digitale Schweiz.

Bundesamt für Statistik. 2018. Erhebung zur Internetnutzung 2017: Digitale Kompetenzen, Schutz der Privatsphäre und Online-Bildung: die Schweiz im internationalen Vergleich. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik.

Bundesamt für Statistik. 2018. Hochschulabschlüsse, digitale Kompetenzen, Forschung und Entwicklung, abrufbar unter: Zur Webseite

Coffin Murray, Meg, und Jorge Pérez. 2014. Unraveling the Digital Literacy Paradox: How Higher Education Fails at the Fourth Literacy. Issues in Informing Science and Information Technology 11:085–100. DOI: https://doi.org/10.28945/1982.

Ferrari, Anusca, Yves Punie, Barbara N Brečko, und Institute for Prospective Technological Studies. 2013. DIGCOMP: A framework for developing and understanding digital competence in Europe. Luxembourg: Publications Office, abrufbar unter: PDF-Dokument

Rat der Europäischen Union. 2018. Empfehlung des Rates vom 22. Mai 2018 zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Rat der Europäischen Union.

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. 2019. Orientierungsrahmen Grundkompetenzen in Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

Weitere verwendete Literatur

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